Jenseits von richtig und falsch…

Immer wieder mal kommt es in (Iyengar-)Yoga-Workshops vor, dass meine daumenseitigen Handgewölbe in entlasteten Stützpositionen – wie zum Beispiel im herabschauenden Hund oder im Vierfüßlerstand – vom Lehrer / von der Lehrerin korrigierend auf den Boden gedrückt werden. In bester Absicht, wie ich glaube!

Letztens wollte eine Lehrerin gar meine „Hände am Liebsten am Boden festtackern“. Wenn ich dann – ich hoffe respektvoll – nach dem Grund frage, warum man mir denn die Hände platt machen möchte (denn biomechanisch kann so ein aufgespanntes Handgewölbe zwischen Daumen- und Kleinfingerstrahl in punkto Belastungsstabilität ja Sinn machen), wird mal schroff, mal verärgert reagiert. So bekomme ich entweder keine Antwort, oder ein „Iyengar sagt…“ zu hören (in letztgeschildertem Fall war die Antwort ein „Autsch!“, was sich wohl hoffentlich mehr auf die Tackeraktion, als auf meine Frage bezog).

Manch ein/e Lehrer/-in fühlt sich durch Fragen in ihrer/seiner Kompetenz bzw. Autorität untergraben, was schade ist. Ich finde gerade Workshops sind dazu da, Dinge anders anzugehen, auszuprobieren, zu experimentieren – und vielleicht auch mal zu hinterfragen. Wenn mir dann bei und nach diesem Ausprobieren etwas stimmig bzw. sachlich nachvollziehbar erscheint und man mich auffordert, es dauerhaft anders zu machen, dann möchte ich gerne wissen oder spüren, WARUM ich es dauerhaft anders machen soll. Ein „das ist halt so“ oder ein Verweis auf eine Kapazität reichen dafür meiner Ansicht nach nicht aus. Ein „ich habe verschiedene Arten ausprobiert und dann diese FÜR MICH als richtig erkannt“ würde mir dagegen schon total reichen.

Wenn Vertreter/-innen eines Systems – auch eines Übungssystems – lebendigen Austausch meiden und sich mit alternativen Herangehensweisen nicht auseinander setzen, sondern unreflektiert als „falsch“ abtun, dann läuft dieses System Gefahr rigide zu werden. Oder dogmatisch. Beides möchte ich keinem „Yoga-Stil“ wünschen.


„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“ Rumi


 

PS: In letztgeschildertem Fall hatte ich in den Wochen nach dem Workshop dann doch noch einen „lebendigen Austausch“ über das Thema per Mail, der inspirierend war und gezeigt hat, dass wirkliches Interesse an anderen Blickwinkeln besteht. Das freut mich sehr! Happy End. 😉